Verfasst von Hotte S. Gnaden - Kategorie: Allgemeines und Sonstiges
Die Overbeck-Gesellschaft hat einen Glücksgriff getan: Bis zum 18. Juni zeigt sie Werke des österreichischen Malers und Fotokünstlers Lois Renner.
Dieser verbindet in seinen Werken Malerei und Fotografie.
Dem entspricht inhaltlich, daß manches von dem, was er in seinen Werken zeigt, real ist, anderes hingegen Täuschung. Es wäre allerdings falsch, würde man behaupten, daß der Meister es dabei bewenden lasse. Denn Wahrheit und Täuschung durchdringen einander; Realität kippt in Fiktion um und umgekehrt. Das alles natürlich nur im Auge des Betrachters und je nachdem, WIE er seinen Blick WOHIN schweifen läßt.
Gänzlich den Halt verliert der Betrachter schließlich wegen der ungeheuren und bestechenden Tiefe der Bilder.
Ich würde mich tatsächlich nicht wundern, wenn der eine oder andere bei der Betrachtung eines Werkes von Renner voll auf die Schnauze gefallen wäre.
Und nichts könnte fremder, irritiernder sein als eben dessen Werke: gerade weil sei etwas zeigen, daß auch dem Rezipienten bald vertraut wird. Denn die meisten Bilder zeigen einfach das Atelier des Künstlers. Aber die Verfremdungen, die von Renner so meisterhaft gesetzten Irritationen lassen diese Umgebung immer wieder neu und unwirklich erscheinen – und als etwas, das sich beständig wandelt. So wird das Atelier zur Metapher sowohl für den Künstler selbst, als auch für den Rezipienten, der unter dem Einfluß des Künstlers seinen Blick und schließlich sich selbst ändert.
Renner, 1961 in Salzburg geboren, ist eine Ausnahmebegabung.
Eine Ausnahme in der modernen Kunst ohnehin.
Denn während andere dem Betrachter Ideen und Strukturen hinwerfen, ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, wie man einem Werk Gestalt gibt und es belebt, ist Renner stets auf Wirksamkeit bedacht.
Seine Bilder sind experimentell, ohne irgend abstoßend zu sein. Ja sie sind so unterhaltsam, daß die Ausstellung geradezu zum Volksvergnügen werden könnte.
Nun ja, so weit wird es nicht kommen.
Und käme es dazu, so würden die “Hochkultur”-Snobs sich stracks, ja geradezu spornstreichs von Renner abwenden.
Overbeck-Gesellschaft: Königstraße 11
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr.
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