Lübeck-Blog: Das Weblog von Lübeckern für Lübecker

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Mai 2006
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Mi
31
Mai '06

Hutzel liest Hildesheimer

Am 31.5. um 19.00 Uhr liest Andreas Hutzel im Günter Grass-Haus aus Wolfgang Hildesheimers “Mozart”.
Der Mann war ein wenig begabter als der Nobelpreis-Schlepper Grass.
(Der Nobelpreis: das Stigma der Mittelmäßigkeit, wie Arno Schmidt sagte.)
Hoffentlich wird die Rezitation der Kunst des (in diesem Falle) Biographen gerecht.

Günter Grass-Haus: Glockengießerstraße 21

Een Matjes singt nicht mehr

Ein Stück diesen Titels wird am 31. Mai um 20.00 Uhr von der Niederdeutschen Bühne Kiel aufgeführt.
Ein Matjes ist ein auf bestimmte Weise zubereiteter Hering (wem sage ich das).
Die Zubereitung setzt voraus, daß der Hering tot ist.
Da er aber tot ist, kann er nicht mehr singen.
Dies wiederum setzt voraus, daß er das vorher konnte.
Aber das ist nicht der Fall.
Darin besteht – seht es mir bitte nach, wenn Euch das von Anfang an klar war – die Komik des Titels.
Oder habt Ihr das doch erst mittels meines Erklärungsversuchs begriffen, findet es aber nicht lustig?
Ihr findet es ja nur deshalb nicht lustig, weil Ihr Euch darüber ärgert, daß Ihr es nicht gleich begriffen habt.
Aber vielleicht tue ich Euch jetzt Unrecht.
Denn, zugegeben, BESONDERS komisch ist der Titel nicht.

Kammerspiele: Beckergrube 10-14

Mo
15
Mai '06

Overbeck-Gesellschaft zeigt Renner

Die Overbeck-Gesellschaft hat einen Glücksgriff getan: Bis zum 18. Juni zeigt sie Werke des österreichischen Malers und Fotokünstlers Lois Renner.
Dieser verbindet in seinen Werken Malerei und Fotografie.
Dem entspricht inhaltlich, daß manches von dem, was er in seinen Werken zeigt, real ist, anderes hingegen Täuschung. Es wäre allerdings falsch, würde man behaupten, daß der Meister es dabei bewenden lasse. Denn Wahrheit und Täuschung durchdringen einander; Realität kippt in Fiktion um und umgekehrt. Das alles natürlich nur im Auge des Betrachters und je nachdem, WIE er seinen Blick WOHIN schweifen läßt.
Gänzlich den Halt verliert der Betrachter schließlich wegen der ungeheuren und bestechenden Tiefe der Bilder.
Ich würde mich tatsächlich nicht wundern, wenn der eine oder andere bei der Betrachtung eines Werkes von Renner voll auf die Schnauze gefallen wäre.
Und nichts könnte fremder, irritiernder sein als eben dessen Werke: gerade weil sei etwas zeigen, daß auch dem Rezipienten bald vertraut wird. Denn die meisten Bilder zeigen einfach das Atelier des Künstlers. Aber die Verfremdungen, die von Renner so meisterhaft gesetzten Irritationen lassen diese Umgebung immer wieder neu und unwirklich erscheinen – und als etwas, das sich beständig wandelt. So wird das Atelier zur Metapher sowohl für den Künstler selbst, als auch für den Rezipienten, der unter dem Einfluß des Künstlers seinen Blick und schließlich sich selbst ändert.
Renner, 1961 in Salzburg geboren, ist eine Ausnahmebegabung.
Eine Ausnahme in der modernen Kunst ohnehin.
Denn während andere dem Betrachter Ideen und Strukturen hinwerfen, ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, wie man einem Werk Gestalt gibt und es belebt, ist Renner stets auf Wirksamkeit bedacht.
Seine Bilder sind experimentell, ohne irgend abstoßend zu sein. Ja sie sind so unterhaltsam, daß die Ausstellung geradezu zum Volksvergnügen werden könnte.
Nun ja, so weit wird es nicht kommen.
Und käme es dazu, so würden die “Hochkultur”-Snobs sich stracks, ja geradezu spornstreichs von Renner abwenden.

Overbeck-Gesellschaft: Königstraße 11
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr.

Do
4
Mai '06

VfB steigt nicht auf

Ein müdes 2:1 gegen Münster vor 3800 müden Zuschauern: so steigt man nicht auf, wenn auch die drei Punkte gewonnen sind.
Nein, der Abstand zu Jena und Essen ist zu groß, machen wir uns doch nichts vor.
Also, auf ein Neues in der kommenden Spielzeit.

Mi
3
Mai '06

Brahms-Festival

Zu Beginn des Brahms-Festivals der Musikhochschule Lübeck setzte es ein Sinfoniekonzert.
Wie aber lautet das
Motto des Festivals?
“Inspiration – Faszination”
Also, Damen und Herren, so geht es entschieden nicht.
Warum nicht?
Ist das nicht offensichtlich?
Kunst ist immer inspiriert, und daher fasziniert sie.
Das Motto könnte also über jedem Konzert, jeder Lesung, jeder Ausstellung, jeder Aufführung stehen.
Es paßt überall und daher nirgends.
Man muß sich das mal vergegenwärtigen:
Da sitzt eine Menge von Verantwortungsträgern stundenlang beisammen, und was dabei rauskommt, ist wesentlich schlechter als nichts, weil es das ganze Festival als Lachnummer erscheinen läßt, obwohl da doch Respektables geleistet wird.

VfB mit Aufstiegsmöglichkeit

Der VfB gehört in die zweite Liga.
Das leidet keinen Zweifel.
Aber wird das noch was in dieser Saison?
Die Konkurrenz ist stark.
Widmen wir uns lieber einer anderen Frage:
Was ist eigentlich mit Lübecker Fans, die sich darin gefallen, ihren Verein mittels nationalsozialistischer Parolen anzufeuern?
Horst Tomayer berichtete darüber in Konkret, einer in jedem Fall empfehlenswerten Monatszeitschrift, die selbstredend auch in Lübeck erhältlich ist.
Daß die Lübecker Nachrichten über solche Fans kein Wort verlieren, sollte niemanden wundern. Diese Zeitung ist, wenn schon nicht das Letzte, so doch das Vorletzte. Das Letzte ist das Flensburger Tageblatt.
Aber man braucht ja nur mal die Ohren in den Wind zu halten, dann wird einem doch wohl auffallen, daß nicht alle VfB-Fans unpolitisch sind. Und wenn sie politisch sind, dann eben in einer Weise, die an braune Vorzeit erinnert.
Liebe Lübecker!
Können wir denn das dulden?
Wie wäre es denn mal mit einer Aktion “VfB gegen Nazis”?
Warum schweigt sich die Vereinsführung aus?
Setzt sie doch einfach mal unter Druck, verantwortungsbewußte Lübecker!
Übrigens, als ich sagte, der VfB gehöre in die zweite Liga, meinte ich natürlich nicht, daß er nicht in die Erste Liga gehöre.
Das könnte ja mal ein Fernziel sein – aber nur ohne NS-Fraktion unter den Fans.
Und was ist übrigens mit der Lohmühle?
Ist die erstliga-tauglich?
Na ja, im Dreisam-Stadion in Freiburg ist es ja auch möglich.
Was meint Ihr, geht das so?
Oder wären noch aufwendige Um- und Ausbauarbeiten fällig?
Oder würde etwa – wer ist so pessimistisch, das zu behaupten – auch das nichts nützen?

Rathaus Lübeck

Welches ist das schönste Gebäude Lübecks?
Hier ist die Auswahl groß, werden die meisten sagen, und sie sagen es zurecht.
Ist es das Holstentor?
Ist es die Marienkirche?
Ich sage: Nein!
Es ist das Rathaus.
Schon in meiner Kindheit ging ich stets mit Wohlgefallen (oh shut up) daran vorbei, denn es spendete Trost und Weltvertrauen.
Ja es ist eine Manifetation früher Emanzipation von kirchlicher Macht.
Ausdruck eines Adels, der kein Geburtsadel ist, sondern einer des Geistes und des Empfindens.
Nun wird es Leser geben, die behaupten, ich rede Quatsch.
Bitte, warum nicht, dies ist ein freies Land.
Und was könnte auf plastischere Weise einen Begriff von Freiheit vermitteln als der Anblick des Rathauses in Lübeck.

HSV Hamburg ist schwartauisch

Liebe Handball-Freunde Lübecks und der Lübecker Umgebung, insbesondere Bad Schwartaus!
Erinnert Ihr Euch noch, daß der jetzige HSV Hamburg seine Mannschaft vor einigen Jahren aus Bad Schwartau in die Color Line Arena verfrachtet hat, und zwar nicht mir nichts dir nichts, sondern mir alles dir nichts?
In Bad Schwartau hatte man hart gearbeitet und – wenn ich mich recht entsinne – Ende der achtziger Jahre den Aufstieg in die erste Bundesliga geschafft. Seitdem war der VfL mit seinen treuen Fans eine der richtig guten Adressen im deutschen Handball.
Aber schließlich übernahm irgendein dubioses Gebilde die Regie, und die Vereinsführung ließ dieses Gebilde gewähren, bis es zu spät war.
Nun also ist das, was aus der Schwartauer Mannschaft geworden ist, in Hamburg, und das einzig zu dem Zweck, die Color Line Arena auszulasten: grausiges Gesicht des Sport-Marketing.
Nun raunte ich eben mirakulös von einem dubiosen Gebilde.
Das nun aber deshalb, weil ich – und offenbar nicht nur ich – nicht mehr darüber weiß!
Ich habe ja damals auch die Lübecker Nachrichten gelesen und mich mit dem einen oder anderen Hardcore-Bad-Schwartau-Fan unterhalten.
Aber keiner konnte so recht Aufschluß geben.
Also, um die Dinge beim Namen zu nennen:
Es besteht doch der Verdacht, daß seitens des genannten Gebildes von Anfang an die Absicht bestand, die Mannschaft in die Color Line Arena zu bringen und daß es Vereinsführung und Fans im Unklaren ließ, ja sich als Retter des Vereins aufspielte und schließlich auch noch ein heroisches Scheitern inszenierte und den Leuten das Märchen von der Unausweichlichkeit des Umzugs erzählte.
Natürlich fand sich derlei nicht in den Lübecker Nachrichten.
Denn nichts liegt ja den Redakteuren dort ferner als investigativer Journalismus und kritische Berichterstattung.
Für bedeutendere Medien aber war die Sache vielleicht zu klein.
Zumindest hätte es eines Anstoßes bedurft: Jemand hätte etwa die Sportredaktion des Spiegel auf die Unklarheit der Lage der Dinge hinweisen können.
Tja, das Versäumnis muß ich mir dann auch selbst ankreiden.
Aber sagt mal, hat irgend jemand gesichertes Wissen darüber, was damals geschehen ist?
Dann stellt hier einen Kommentar ein.